Dezentrale Stromversorgung – dezentrale Kommunikation?

In unserem Beitrag Schutz unserer kritischen Infrastrukturen – die Einschläge kommen näher vom 4. August haben wir die aktuelle Situation der Stromversorgung in Deutschland beschrieben. Was für Deutschland gilt, kann bzw. muss auf ganz Europa übertragen werden. Unzureichende Maßnahmen hinsichtlich der Anpassung der Netzinfrastruktur an die neuen Gegebenheiten erneuerbarer Energieerzeugung führen zu einer dramatischen Erhöhung das Risiko eines großflächigen Stromausfalls. Die konkreten Auslöser für einen solchen Stromausfall können vielfältig sein.

Unsere Stromversorgung ist unter anderem abhängig von einem ständig verfügbaren Datennetz. Die Steuerung der Versorgungsnetze erfolgt von wenigen, den Netzebenen zugeordneten Leitstellen. Die Netzbetreiber verfügen hierzu über eine eigene Glasfaser-Infrastruktur, die bei jeder Neuverlegung oder Revision des elektrischen Leitungsnetzes ausgebaut wird. Diese ist jedoch nicht konsequent vom Internet isoliert.

Wie wir im Orangebuch bereits ausführlich beschrieben haben, bestehen unsere elektrischen Netze aus Hunderten von Netzknoten aller Spannungsebenen. In diesen Netzknoten, besser bekannt als Umspannwerke, befinden sich die Schaltanlagen ohne die unsere Stromnetze nicht betrieben werden könnten. Die Umspannwerke, auch die der 380 kV Höchstspannungsebene, sind in der Regel nicht mehr mit Personal besetzt. Schalthandlungen werden vielmehr vornehmlich per Fernsteuerung von den Leitstellen durchgeführt. Dafür müssen Daten digital zwischen Leitstelle und Schaltanlage übertragen werden. Eine Störung dieser Kommunikation kann dazu führen, dass notwendige Schalthandlungen nicht oder falsch ausgeführt werden. Dies wiederum kann schwere Netzstörungen mit Dominoeffekten nach sich ziehen.

Als Ursache für Kommunikationsstörungen kommen sowohl rein technische als auch menschengemachte infrage:

  • Natürliche Ereignisse wie Extremwetterlagen, denen die Technik nicht gewachsen ist.
  • Versagen der Technik an sich, vielleicht, weil Wartungsarbeiten nicht planmäßig oder nicht sorgfältig genug durchgeführt wurden.
  • Kabeltrennungen im Zusammenhang mit Bauarbeiten.
  • Unfälle mit Auswirkungen auf die Infrastruktur.

All diese Ereignisse müssen nicht zwangsläufig eine Störung des Stromnetzes nach sich ziehen. Durch redundante Systeme, die im Bereich der Stromnetze ohnehin Pflicht sind, kann man Ausfälle, namentlich solche mit katastrophalen Auswirkungen, fast immer vermeiden. Man muss lediglich die n-1 Regel auch auf die für die Steuerung der Stromnetze zuständigen Datennetze anwenden. Ob dies immer und überall geschieht, buchen wir unter der gerne in Stellung gebrachten Rubrik „Geschäftsgeheimnisse“ ab, die sich erst bei Unterlassungssünden offenbaren würden.

Weitaus schwieriger zu beherrschende Szenarien sind solche, die sich aus bewussten kriminellen Handlungen, hier konkret Hackerangriffen auf diese Datennetze, ergeben. Derartige Angriffe sind bereits aktenkundig. Gut abgestimmt können sie auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig erfolgen. Hundertprozentige Sicherheit dagegen gibt es nicht. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Infrastruktur der Datennetze, die für die Steuerung unserer Stromnetze verantwortlich ist, selbst weniger komplexen Attacken nicht standhält. Dies wird auch von den Autoren der Seite Blackout-News bestätigt.

Sind wir ausreichend vorbereitet?

Diese Frage muss mit einem klaren Nein beantwortet werden. Strom brauchen wir dennoch – immer und überall. Die nächste Frage lautet also:

Was müssen oder können wir persönlich tun,
um für den Fall des Falls gewappnet zu sein?