Energiewende – welche Energiewende?

Wir sind frustriert

Seit mehr als 5 Jahren begleiten wir das was uns als Energiewende verkauft wird sachlich und fachlich. Wir bemühen uns dabei stets um Objektivität aber es fällt uns immer schwerer, die Contenance zu wahren. Manche Verlautbarungen des Bundeswirtschaftsministerium, der Bundesnetzagentur und teilweise auch der Übertragungsnetzbetreiber widersprechen schlichtweg grundlegenden physikalischen Regeln und Gesetzen. Daneben scheinen auch viele ökonomischen Erwägungen, die volkswirtschaftlich sinnvoll wären, für unsere politischen Gestalter keine Rolle mehr zu spielen. Wir sehen stattdessen ein gigantisches Subventionsprogramm für einige wenige Akteure der Energiewirtschaft. Allein der per Gesetz festgeschriebene Netzausbau wird fast 100 Milliarden € kosten. Dabei wird dieser überdimensionierte Netzausbau von den politisch Verantwortlichen ständig als die entscheidende Komponente der Energiewende hochstilisiert. Von sinnvollen Infrastrukturmaßnahmen, insbesondere der zügigen Implementierung von Speichertechnologien ist nur am Rande die Rede. Darüber hinaus steht die de facto Behinderung der Erneuerbaren durch ständig neue Gesetze in krassem Widerspruch zu den offiziellen, „klimafreundlichen“ Aussagen von BMWi und BNetzA. Letztere klassifizieren wir nach Lage der Dinge als reine Lippenbekenntnisse, die den Willen zu einer echten Energiewende lediglich suggerieren sollen.

Übrig bleibt am Ende eine weichgespülte Energiewende, welche das ursprünglich von Frau Merkel im Jahre 2000 propagierte Ziel „Deutschland 2050 CO2-neutral“ niemals erreichen wird und auch nicht erreichen soll. Wir als Bürger haben in dem gesamten Prozess, entgegen anders lautender Behauptungen, keinerlei verbindliches Mitentscheidungsrecht.

Wir haben es insgesamt mit einem komplexen Lügengebäude zu tun, das für uns Bürger undurchschaubar sein soll. Allerdings funktionieren Lügen niemals dauerhaft. Die Lügner verlieren mit der Zeit die Übersicht und verwickeln sich in Widersprüche. Ungeachtet dessen ist die Arroganz der von uns selbst gewählten politischen Führungskaste mittlerweile so groß, dass deren Mitglieder offensichtlich meinen, wir würden ihr ständiges Verbiegen der Fakten nicht bemerken.

Das folgende Zitat des Herrn Juncker aus dem Jahre 1999 haben wir schon in unserem Orangebuch verwendet. Wir wiederholen es hier gerne noch einmal, weil es die Denkweise von Machtpolitikern sehr markant beleuchtet.

Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter ‒ Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.

Dieser „Plan“ kann und darf nicht länger funktionieren, weder für die Energie- noch für irgendwelche Politik.

Also noch mal ganz von vorn – Problembeschreibung

Eine Energieversorgung auf Basis fossiler Rohstoffe wie Kohle, Erdgas oder Erdöl funktioniert definitiv nicht bis in alle Ewigkeit. Die Vorräte sind irgendwann verbraucht. Dieses Irgendwann liegt vielleicht noch einige Jahrzehnte in der Zukunft, aber das ist nicht das entscheidende Kriterium. Was uns nämlich viel früher ereilen wird, ist die irreversible Vernichtung unserer Natur und Umwelt durch Abfälle und Abgase; eben nicht irgendwann, sondern ein sehr bald. Letztendlich kann die gegenwärtige Entwicklung sogar das Ende unserer Zivilisation bedeuten. Jeder Einzelne muss sich nun ganz persönlich die Frage stellen: was will oder was kann ich dagegen tun?

Vor allem müssen jetzt politische Entscheidungen getroffen werden, um die drohenden Gefahren wenigstens zu minimieren. Von Vermeidung ist ohnehin längst keine Rede mehr. Notfalls müssen diese Entscheidungen auf demokratischem Weg durchgesetzt werden. Wir brauchen eine grundlegend andere Politik welche die Rahmenbedingungen für eine tatsächliche Energiewende im volkswirtschaftlichen Sinne, also in unser aller Interesse, schafft. Privatwirtschaftliche Interessen haben sich diesem politischen Rahmen unterzuordnen und nicht umgekehrt.

Problemlösung

Wenn die Dringlichkeit einer nachhaltigen Energiewende nicht nur als hohle Phrase, anerkannt wird, braucht es ein Konzept, einen Plan zur Umsetzung. Wir leben in einer Welt vieler unterschiedlicher Nationalstaaten mit unterschiedlichen Interessen. Es sollte allerdings im Interesse aller dieser Staaten liegen, das Leben und Überleben auf unserem Planeten zu sichern. Wir haben nur diese eine Erde. Jeder Nationalstaat muss seinen Weg finden, auch Deutschland. Fangen wir also einfach in Deutschland an und vergraben das Scheinargument, dass „die Anderen“ noch weniger tun.

Wir haben bereits in der ersten Fassung unseres Orangebuches aus dem Jahr 2016 vieles benannt und untersucht, was sich heute, im Jahr 2020, vollumfänglich bestätigt hat. Fassen wir uns deshalb kurz und verweisen bei Bedarf auf unsere aktuelle Version des Jahres 2020.

Sichere Energieversorgung – nur dezentral möglich

Die Versorgung mit Energie, nicht nur Elektroenergie, ist die Grundlage unseres gesellschaftlichen Lebens. Bricht die Versorgung, besonders mit Elektroenergie, zusammen, bedeutet das sehr kurzfristig das Ende unserer Gesellschaft, wie wir sie kennen. Wir brauchen daher eine flächendeckende, sichere Versorgung mit Elektroenergie und zwar:

– sicher gegen technisch bedingte Ausfälle nach dem n-1 bzw. n-k Prinzip

– sicher gegen bewusstes destruktives Handeln; z.B. Cyberangriffe

Grundsätzlich kann ein Versorgungssystem für Elektroenergie zentral oder dezentral organisiert werden. Eine zentrale Struktur erfordert eine ebenso zentrale Steuerung, um das Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -verbrauch zu gewährleisten. Unsere Energieversorgung hat sich jedoch durch die Erneuerbaren Energiequellen innerhalb sehr kurzer Zeit stark verändert. Tausende kleiner und kleinster Stromerzeuger speisen aus Windkraft- und Solaranlagen in unser Netz ein. Damit wird die zentrale Steuerung faktisch infrage gestellt, weil die Komplexität des Systems mit jedem weiteren Einspeisepunkt wächst bis es schließlich durch eine Zentralsteuerung nicht mehr beherrschbar ist.

Die neuen Bedingungen erfordern deshalb eine dezentrale Versorgungsstruktur mit Steuerungen auf der Ebene von Zellen. Im Orangebuch Kapitel 4.4.2 „Der zellulare Ansatz“ haben wir das Prinzip beschrieben. Das auf Zellen basierende Gesamtsystem steuert sich dann über die Netzfrequenz weitgehend selbst; Totalausfall nahezu ausgeschlossen.

Im Orangebuch Seite 170 haben wir eine Stromzelle definiert. In unseren derzeitigen Netzen existieren auf allen Spannungsebenen Zellen gemäß unserer Definition. Diese Zellen sind rein physikalisch Elemente einer bereits existierenden dezentralen Struktur. In unserem Beitrag „Netzentgelte – Vertrauen ist gut…“ haben wir mathematisch gezeigt, wie eine solche Zelle funktioniert.

Dem Dreigestirn, bestehend aus Bundeswirtschaftsministerium, Bundesnetzagentur und Übertragungsnetzbetreibern sind die physikalischen Zusammenhänge natürlich ebenfalls geläufig. Gleichwohl wird der zellulare Ansatz in dem am 16.06.2020 veröffentlichten Papier der BNetzA „Marktintegration ausgeförderter und neuer Prosumer-Anlagen“ geleugnet. Mehr noch – das Papier ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man die Eigenversorgung mit elektrischer Energie in der eigenen kleinen Zelle (Haus mit Solaranlage) durch ziemlich brutale Anwendung des ökonomischen Hebels zu hintertreiben versucht. Das Dokument ist pure Heuchelei und enthält so viele alternative Fakten, dass wir uns gesondert damit befasst haben.

Die Stromnetze

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen wir über ein zwar immer fragiler werdendes aber immerhin noch funktionstüchtiges System zur Versorgung mit Elektroenergie. Die Leistungsfähigkeit dieser elektrotechnischen Infrastruktur muss zunächst von unabhängigen Experten genauer untersucht werden. Das Ergebnis dieser Untersuchung darf keinesfalls „Betriebsgeheimnis“ bleiben, sondern ist für die Allgemeinheit zugänglich als Diskussionsbasis zu veröffentlichen.

Die elektrotechnische Infrastruktur beinhaltet u.a. das Stromnetz. Auch hier interessiert uns zunächst nur der gegenwärtige Zustand und nicht das, was die BNetzA als „Startnetz“ bezeichnet. Die Bezeichnung der BNetzA ist (bewusst?) irreführend, weil in deren „Startnetz“ geplante aber noch nicht gebaute Stromtrassen bereits integriert sind, um den Bau weiterer Trassen, ausgehend von diesem angeblichen „Startnetz“ zu rechtfertigen.

Nun werden die tatsächlichen physikalisch bedingten Lastflüsse, zumindest oberhalb der Spannungsebene 110 kV, ständig erfasst und archiviert, wenn auch leider nicht transparent veröffentlicht. Allein diese Daten sollten als Basis für den Ausbau unserer Stromnetze dienen und nicht die Wunschträume von Investoren, die am Leitungsbau partizipieren oder die Interessen von Kraftwerksbetreibern, die gerne Strom ins Ausland verkaufen.

Drei konkrete Schritte

Wir fordern ein sofortiges Moratorium für den Netzausbau in Deutschland bis der tatsächliche Bedarf entsprechend der physikalischen Erfordernisse geklärt ist.

Wir brauchen endlich von der Politik unterstützte Konzepte zur Umsetzung einer dezentralen Netzstruktur für Deutschland.

Wir fordern die Durchführung eines öffentlichen nationalen Energiedialogs.

Wasserstoff – neu entdeckt

Vor einigen Tagen präsentierte das BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. „Die Nationale Wasserstoffstrategie“ (NWS) – so der Titel der Denkschrift. Wenn Adjektive groß geschrieben werden, deutet dies immer auf eine besondere Bedeutsamkeit der Aussage hin. Mit der NWS scheint das BMWi tatsächlich ganz konkrete Ziele zu verfolgen und das sogar zeitnah; das ganz im Gegensatz zu den weich gespülten politischen Verlautbarungen früherer Kommissionen und Ausschüsse. Wir verweisen hierbei ausdrücklich auf das Papier der so genannten Kohlekommission vom Januar 2019 zum viel zu späten Kohleausstieg. Obwohl wir den meisten dieser Ziele grundsätzlich zustimmen, halten wir den Ansatz des BMWi insgesamt für zu wenig ambitioniert. Unsere Behauptung leiten wir insbesondere aus der recht dürftigen Finanzausstattung einer angeblich „Nationalen Strategie“ ab.

In den wenigen Passagen, denen wir inhaltlich nicht zustimmen ist unser Dissenz überdies fundamentaler Natur. Das Wirtschaftsministerium ist ohne Zweifel für Wirtschaftsförderung zuständig – sonst würde es ja nicht so heißen. Wie das BMWi allerdings Wirtschaft auch hinsichtlich der Frage Wasserstoff definiert, erzeugt unweigerlich unseren Widerstand. Es geht auch mit der NWS vornehmlich darum, die großen „systemrelevanten“ Marktteilnehmer mit Zuwendungen zu überschütten, während Bürgerenergiegenossenschaften, kleine und mittelständische sowie kommunale Energieunternehmen sich mit Brosamen zufrieden geben müssen. Das wird zwar an keiner Stelle explizit so gesagt – aber eine genauere Textanalyse lässt aus unserer Sicht keinen anderen Schluss zu,

Solange die Politik mehr den Einflüsterungen einflussreicher Lobbyisten als den objektiv gegebenen Notwendigkeiten folgt, kommen wir in unserer gesellschaftlichen Entwicklung nicht weiter. Mehr noch – wir riskieren den Bestand unseres demokratischen Gemeinwesens; das um so mehr in Krisenzeiten wie der des Jahres 2020.

Wir haben die NWS des BMWi unter die Lupe genommen. Näheres hier:

Smart-Meter – Möglichkeiten und Risiken

Am 31.01.2020 gab das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) grünes Licht für den Austausch der vorhandenen, z.T. noch analog betriebenen Stromzähler durch sogenannte Smart-Meter. Zuständig für den Rollout der neuen Technik sind die Messstellenbetreiber .

Smart-Meter werden von Datenschützern zu Recht mit Argwohn betrachtet. Die These, sie könnten einen weiteren Schritt zum gläsernen Bürger markieren, halten wir für durchaus berechtigt. Das erstaunlich hohe Maß an Intransparenz beim Umgang mit unseren Verbrauchsdaten akzeptieren vermutlich nur Menschen, die uneingeschränktes Vertrauen in staatliches Handeln haben und deshalb keine Fragen stellen.

In unserem Beitrag „Vertrauen ist gut…“ haben wir bereits auf Smart-Meter Bezug genommen. Dieser Text verfolgt zu einen das Ziel, die Begrifflichkeit zu vertiefen, zum anderen wollen wir interessierten Bürgern ein paar nützliche Tipps für die Praxis im Umgang mit der neuen Technik geben. Richtig genutzt, können Smart-Meter sehr gute Dienste leisten.

Was Sie unbedingt wissen sollten

Ein Smart-Meter besteht aus einer modernen Messeinrichtung (mME) und einem Smart-Meter-Gateway. Die mME ist dabei im Grundsatz nur ein digitaler Stromzähler, wie wir ihn heute schon in vielen Haushalten vorfinden. Auch eine mME muss zur Abrechnung noch bei uns direkt abgelesen werden. Eine Fernauslesung über das Internet ist nicht möglich. Eine mME speichert jedoch nicht nur den Zählerstand sondern auch, welche elektrische Leistung wir in den jeweils letzten 15 Minuten in Anspruch genommen haben. Demnach wird unser persönliches Lastprofil, aus dem sich sehr gut Rückschlüsse auf unsere Lebensweise ziehen lassen, digital abgelegt: Wann stehen wir morgens auf, wann gehen wir abends schlafen? Wann kochen wir unseren Morgenkaffee, wann waschen wir unsere Wäsche u.s.w.

Diese persönlichen Lastprofile werden den Netzbetreibern allerdings erst zugänglich, wenn die mME über ein Smart-Meter-Gateway mit einem Datennetz verbunden ist. Erst das Konstrukt mME plus Smart-Meter-Gateway ergibt ein Smart-Meter. Wenn Sie das Titelbild genauer betrachten, können Sie beide Komponenten gut erkennen; oben mME, unten das Gateway mit einem bunten Strauß möglicher Schnittstellen.

Wir unterstellen den Netzbetreibern keineswegs die primäre Absicht, uns ausspionieren zu wollen. Deren Intension liegt vielmehr darin, ihre Netze durch die Nutzung der von den Smart-Metern erfassten und weitergeleiteten Daten stabil zu halten. Die zunehmend dezentrale Stromerzeugung erweist sich immer mehr als Hindernis, die Stabilität unserer Stromnetze allein auf der Grundlage rein statistisch erhobener Marktprognosen zu gewährleisten. Es wird verschiedentlich behauptet, auch Smart-Meter würden nur dem Zweck dienen, unseren Stromverbrauch einmal jährlich zum Zwecke korrekter Rechnungslegung zu erfassen – nur halt moderner. Das ist schlichtweg falsch. Will der Netzbetreiber sein Ziel „Erhöhung der Netzstabilität durch Datenanalyse“ erreichen, benötigt er jederzeit Zugriff auf die Datenquellen.

Die Netzbetreiber erklären uns diesen Sachverhalt ohne jeden Vorbehalt auf ihren Webseiten; hier exemplarisch e.on. Zwei der dort genannten Aspekte halten wir für besonders wichtig:

Stromverbraucher und Stromerzeuger müssen miteinander kommunizieren. Diese Kommunikation dient der Steuerbarkeit des Stromnetzes. Die Kernaussage liegt auf dem „Müssen“.

Kunden können ihren Messstellenbetreiber frei wählen. Hier dagegen auf dem „Können“.

Auf der IT-News-Seite www.golem.de finden sich weitere interessante Informationen. Kunden, die einen jährlichen Stromverbrauch kleiner als 6.000 kWh haben, müssen nicht verpflichtend mit einem vernetzten Stromzähler ausgestattet werden. Das gleiche trifft auf Betreiber von Solaranlagen mit einer installierten Leistung kleiner 7 kWP zu. Allerdings sind 2032 alle Messstellen verpflichtend auf elektronische Geräte (nicht zwingend Smart-Meter) umzurüsten. Es würde uns dennoch sehr wundern, wenn diese Geräte ohne eigenen Speicher und Draht nach außen zur Wahl stünden.

Technik, die (nicht) begeistert

Jeder Bürger hat grundsätzlich Anspruch auf alle ihn betreffenden Daten. Dieser Grundsatz gilt auch für das Smart-Metering. Deshalb muss jedem Bürger der Zugang zu seinen eigenen Zählerdaten ermöglicht werden. Wie das geschehen soll, wird uns in der Satiresendung Extra 3 des NDR anschaulich demonstriert. Unbedingt anschauen, auch wenn der Beitrag nicht wirklich lustig ist.

Aber Schwamm drüber: Der Herr von Stromnetz Hamburg erklärt uns am Ende des zweieinhalbminütigen Videos, dass sich erfahrungsgemäß ohnehin nur 3% der Stromkunden für ihren Stromverbrauch interessieren. Insofern – selbst wenn sich alle Angehörigen dieser 3%-Minderheit ob der vorsintflutlichen Methoden des Handlings ihrer persönlichen Verbrauchsdaten beschweren würden, muss man das nicht weiter ernst nehmen. Oder vielleicht doch?

Wir sollten uns diesen speziellen Teil „Irrsinn des Tages“ nicht gefallen lassen. Dazu müssen wir wissen, wie unser neuer Zähler arbeitet. Amtlich wird er immerhin als moderne Messeinrichtung (mME) bezeichnet und von den Herstellern als elektronischer Haushaltszähler (EHZ) vertrieben. Ablesen per Morsen mit der Taschenlampe halten wir definitiv nicht für modern und die Elektronik bietet seit langem diverse Schnittstellen für bequeme Datenübertragung.

EDL21 vs EDL40

Viele der aktuell am Markt befindlichen, in großen Stückzahlen hergestellten Zähler sind heute bereits veraltet. Die Spreu trennt sich insbesondere hinsichtlich der unterstützten Betriebsmodi vom Weizen. Die Bezeichnungen der beiden Modi EDL21 und EDL40 ergeben sich aus den Referenzen auf die §§21 bzw. 40 des EnWG.

Zunächst müssen alle mMEs, unabhängig vom unterstützten Modus einen Anforderungskatalog des BSI erfüllen. EDL21 konforme mMEs benötigen mindestens zwei Register (Speicherbereiche), die z.B. der getrennten Erfassung von Tag- und Nachtstrom zu unterschiedlichen Tarifen dienen. Alternativ können die beiden Register als Zähler für die Einspeisung in das Netz oder für den Bezug aus dem Netz verwendet werden. Diese einfachen mMEs benötigen die im Extra 3 -Video genannte „blinkende, leuchtstarke Taschenlampe“, um Verbrauchsdaten auszulesen. Extra 3 liefert im Übrigen weniger Satire, sondern allzu häufig (wie in diesem Fall) nur die humoristisch aufbereitete bittere Realität. Der Messstellenbetreiber hingegen kann die Registerdaten über eine zweite, für den Kunden unzugängliche, weil verplombte Datenschnittstelle bequem abgreifen und maschinell weiterverarbeiten. Ist die Datenschnittstelle mit einem Smart-Meter-Gateway verbunden, hat der Messstellenbetreiber permanenten Zugriff auf unsere Zählerdaten.

Die so genannten Synchronous Modular Meter“ (SyM²) sind mMEs mit stark erweiterter Funktionalität. Sie besitzen keine optische Schnittstelle mehr, dafür aber u.a. einen Netzwerk-Anschluss und unterstützen den EDL40-Modus (= Betriebsart Mehrfachtarifierung gemäß §40 EnWG).

Ein sehr sinnvoller Modus, wie wir finden, denn zukünftig wird es sehr viel mehr Stromtarife geben. In Zeiten des Strommangels wird der Strom teurer, in Zeiten Überschusses billiger. Ein angezeigter Momentanpreis kann Kunden sehr wohl motivieren, durch entsprechende Schaltoperationen seinen Geldbeutel zu schonen. Gleichzeitig sind diese Schaltoperationen tatsächlich netzdienlich und damit aus unserer Sicht sehr begrüßenswert. Für die Abrechnung reichen dann aber die zwei Register einer einfachen EDL21-mME nicht mehr. Diese erfolgt dann auch nicht mehr in der mME des Anschlussnehmers, sondern direkt beim Messstellenbetreiber.

Eine SyM² mME enthält neben ihren Registern noch ein Totalregister, welches die absoluten Werte für Einspeisung oder Bezug sekundengenau enthält. Der Messstellenbetreiber kann das Register auslesen und damit selbst bei ständig wechselnden Tarifen (=Stromangebot) einen Preis bilden. Haken dabei: Die daraus resultierende Stromrechnung ist für den Kunden nicht mehr überprüfbar. Daher muss dem Anschlussnehmer eine Möglichkeit geboten werden, die Daten des Totalregisters auszulesen und maschinell zu verarbeiten. Dies geschieht über die Bereitstellung einer Software. Weit verbreitet und von der physikalisch technischen Bundesanstalt (PTB) zertifiziert ist das Programm CONFER++.

Also Augen auf beim Zählerkauf! Achten Sie darauf, eine EDL40 konforme mME einzusetzen und bestehen Sie auf Ihrem Recht, Ihre Daten direkt über CONFER++ auszulesen und zu verarbeiten.

Um Ihren Datenzugang von vorn herein zu ermöglichen, müssen Sie dem Messstellenbetreiber vor dem Einbau der mME nur eine grundsätzliche Frage stellen.

In welchem Betriebsmodus wird die mME betrieben; EDL21 oder EDL40?

Keinesfalls sollten Sie sich einen EDL21 Zähler einbauen lassen. Es ist absehbar, dass diese Zähler schon bald wieder ausgewechselt werden, weil sie bereits heute nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen.

Bürgerenergiegemeinschaft als Messstellenbetreiber

Sie können natürlich noch einen Schritt weiter gehen. Werden Sie Mitglied oder Initiator einer Bürgerenergiegemeinschaft, die selbst als Messstellenbetreiber im eigenen Umfeld tätig wird. Solange diese Genossenschaft zertifizierte mMEs einsetzt und die Verbrauchs- bzw. Einspeisedaten an den übergeordneten Energieversorger meldet, bewegt sie sich auf absolut rechtssicherem Terrain. Jeder Energieversorger wird solche Genossenschaften als zuverlässige Vertragspartner ansehen (müssen). Auf keinen Fall kann Ihnen der Energieversorger dann mit dem üblichen Hinweis auf „Geschäftsgeheimnisse“ kommen, wenn Sie nach Ihren Daten fragen. Sie müssen die Frage nicht einmal stellen, weil Ihre Daten schließlich von vornherein bei Ihnen bzw. bei der Bürgerenergiegemeinschaft bleiben.

Wenn die Gründung einer Bürgerenergiegemeinschaft in Ihrem Umfeld nicht möglich ist, berufen Sie sich zumindest auf Ihr Recht, Ihren Messstellenbetreiber frei wählen zu können. Das muss nicht zwingend der örtliche Energieversorger sein. Ihre Daten, auch Ihre Stromverbrauchsdaten, sind ein hohes Gut. Mit der Weitergabe dieser Daten an Dritte geben Sie die Kontrolle darüber aus der Hand. Vielleicht lohnt es sich also, einen Vertrag mit einem Messstellenbetreiber zu schließen, den Sie gut kennen und dem Sie deshalb vertrauen.

Netzentgelte – Vertrauen ist gut…

Die Bundesrepublik ist gemäß Artikel 20 Abs. 1 des Grundgesetzes ein sozialer Rechtsstaat. Dieser Rechtsstaat soll soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit gewährleisten. Soziale Sicherheit bedeutet insbesondere, dass der Staat jederzeit in der Lage sein muss, existenziell notwendige Leistungen für seine Bürger zu erbringen. Dieses grundlegende Prinzip wird oft unter dem Begriff „öffentliche Daseinsvorsorge“ zusammengefasst, der allerdings rechtlich unbestimmt ist. Dennoch wird in sehr vielen Dokumenten immer wieder darauf Bezug genommen. Zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehören unter anderen:

– Energieversorgung

– Gesundheit

– Wasser/Abwasser

– Verkehr

Bricht nur ein Zweig dieser Daseinsvorsorge zusammen, haben wir es mit einem Staatsversagen und in dessen Folge mit der realen Gefahr des Zusammenbruchs der gesamten Zivilgesellschaft zu tun.

Derzeit, im April 2020, sehen wir uns mit einer ernsthaften Bedrohung unserer Gesundheit konfrontiert. Der Staat handelt und erlässt per Verordnung geeignete Maßnahmen, um die Gefahr einzudämmen. Diese Maßnahmen werden zwar erläutert, dürfen aber nicht weiter hinterfragt werden. Wir als betroffene Bürger können sie ohnehin nur schwer beurteilen, da uns in der Regel das Fachwissen fehlt. Wir müssen demnach dem staatlichen Handeln vertrauen. Wir gehen stillschweigend davon aus, dass die staatlichen Eingriffe in unser Leben angemessen und zielführend sind, weil schließlich die Wissenschaft in enger Beratung zur Seite steht. In der derzeitigen akuten Krisensituation mag dieser Ansatz der bestmögliche sein.

Das gilt jedoch nicht für die Betrachtung der deutschen Energiewirtschaft, soll heißen für kommende mögliche Krisen. Wir weisen als fachlich kompetente Bürger seit Längerem darauf hin, dass diese genau hier drohen. Wir gewinnen zunehmend den Eindruck, dass im Umfeld der Energiewirtschaft eben keine politischen, von der Wissenschaft gehärteten Strategien existieren, um die permanente Versorgung der Bürger mit Energie sicher zu stellen. Zuständige Minister in Bund und Ländern fahren vielmehr „auf Sicht“. Sie wissen nicht wirklich, was sie tun. Der Antrieb ihres Handelns scheint überdies weniger die öffentliche Daseinsvorsorge als vielmehr die Interessenwahrung ihrer Klientel zu sein.

Wer die Energiepolitik der Bundesregierung hinterfragt, sprich seine auf Fakten basierende Sicht der Dinge einbringt, wird zunächst einfach ignoriert. Finden die Argumente der Kritiker zu viel Resonanz, werden sie angegriffen und öffentlich diffamiert. Wir sprechen aus Erfahrung.

Die permanente Sicherstellung der Energieversorgung gehört zweifellos zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Ein länger anhaltender Zusammenbruch der Energieversorgung würde zum Kollaps der Zivilgesellschaft führen. Als zusätzlicher Aspekt müssen dabei die an die Energieversorgung gekoppelten CO2-Emissionen betrachtet werden. Eine allseits hinreichende und „kostengünstige“, Bereitstellung von Energie heute nützt uns wenig, wenn wir unsere zukünftige Existenz damit gefährden. Wir haben uns im Orangebuch ausführlich mit diesen Fragen befasst. Wir hinterfragen z.B. seit vielen Jahren den staatlich verordneten Netzausbau kritisch, einen Netzausbau, der immense Kosten verursacht und noch niemals öffentlich nachvollziehbar begründet wurde.

Wir alle bezahlen diesen Netzausbau durch die erhobenen Netzentgelte über unsere Stromrechnung. Die Richtlinie (EU) 2019/944 sagt ausdrücklich, dass wir keinen „nicht kostenorientierten Netzentgelten“ unterworfen werden dürfen. Genau das geschieht aber. Wir weisen im folgenden Beitrag mathematisch nach, dass wir die Netze unter bestimmtem Umständen gar nicht in Anspruch nehmen und dennoch dafür bezahlen. Dabei bedienen wir uns der öffentlich zugänglicher Methoden, die u.a. das Fraunhofer Institut für seine Berechnungen verwendet. Wir geben darüber hinaus einige Hinweise, wie wir uns als Bürger gegen die, nett formuliert, kreative Erhebung der Netzdurchleitungsgebühren wehren können. Platt monetär gesagt lautet die Frage: Wie können wir als Bürger 1,5 bis 3 ct/kWh einsparen? Schon 1 ct/kWh ergeben für 41,8 Millionen deutsche Haushalte (2018) mit einem Jahresverbrauch von 3.000 kWh (2018) bereits eine Summe von 1,254 Mrd. Euro.

Wie Netzentgelte berechnet werden und wie sie berechnet werden müssten.