Netzfrequenz – wir haben nachgemessen

m Orangebuch S. 43ff haben wir die Bedeutung der Netzfrequenz ausführlich erläutert. Kurz gesagt gilt:

Die Netzfrequenz ist ein unbestechliches Maß für die Stabilität unseres Stromversorgungsnetzes.

Wer sich über die Aussagen des Orangebuchs hinaus mit dem Thema auseinandersetzen will, wird z.B. unter

https://www.netzfrequenzmessung.de oder

https://www.netzfrequenz.info/

fündig. Auch die private Messung und Aufzeichnung der Netzfrequenz ist mittlerweile mit vertretbarem Aufwand möglich. Hierzu verweisen wir auf das Projekt von Jens Müller. Wir haben eine seiner Messeinrichtungen bei uns im Einsatz. Die von ihr gelieferten Ergebnisse korrelieren auf das Millihertz genau mit den auf den o.g. Seiten gelieferten Werten.

Was wir in den letzten Wochen damit gemessen und in Verlaufskurven ausgewertet haben, gibt uns zu denken. Mehr noch – einige Schlussfolgerungen, die sich daraus ableiten lassen, versetzen uns in Alarmstimmung. Die Betrachtung der ARD vom 23.11.2021 greift unserer Meinung nach zu kurz.

Details hier.

Die Auswirkungen eines Blackouts abmildern – persönliche Prävention

Welche Möglichkeiten haben wir als Bürger, uns auf extreme Situationen wie einen flächendeckenden Blackout vorzubereiten? Um ehrlich zu sein – sie sind ziemlich begrenzt. Egal welche Vorsorgemaßnahmen wir treffen, egal wie umfangreich sie ausfallen – wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir dennoch mit massiven Einschränkungen zu rechnen haben.

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim deutschen Bundestag hat im Jahr 2011 eine Studie mit dem Titel „Was bei einem Blackout geschieht, Folgen eines lang andauernden und großräumigen Stromausfalls“ veröffentlicht.

Wir haben bereits 2016 in unserem Orangebuch auf diese Quelle hingewiesen.

Wenn man heute, im Oktober 2021, die Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ernst nimmt, so gewinnt man den Eindruck, die Damen und Herren dieser Behörde haben die oben genannte Studie nie gesehen. Anders lassen sich die im „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ unterbreiteten Empfehlungen nicht erklären.

Auf Seite 10 unten finden wir folgenden Satz, der sich auf den Ausfall der Energieversorgung bezieht:

Mit einem Vorrat an Lebensmitteln und Getränken für 10 Tage sind Sie hierfür gerüstet.“

Die Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung weist jedoch unmissverständlich darauf hin, dass bereits nach sechs Tagen eines lang andauernden Stromausfalls die staatliche Ordnung, so wie wir sie kennen, zusammengebrochen ist. Der BBK-Ratgeber suggeriert dagegen, mit ein wenig Essen und Trinken müssen wir nur 10 Tage durchhalten – danach wird alles wieder gut. Natürlich ist eine sinnvolle Bevorratung mit notwendigen Dingen richtig und wichtig. Sie hilft aber nicht weiter, wenn man nichts nachkaufen kann, weil die gesamte Infrastruktur nach diesen 10 Tagen längst nicht mehr funktioniert. Diese Infrastruktur basiert im Industriezeitalter nun einmal unbestreitbar auf einer stabilen Stromversorgung. Ist diese nicht gegeben, folgen daraus zwangsläufig die für jedermann sicht- und spürbaren Notsituationen. Fehlender Strom darf demnach keinesfalls nur als lästige Begleiterscheinung anderer Katastrophen betrachtet werden.

Das Ziel einer jeden Vorsorgemaßnahme muss somit die Verhinderung eines flächendeckenden Stromausfalls sein. Die einzige Möglichkeit dazu besteht in einer konsequent dezentral organisierten Stromversorgung des gesamten Versorgungsgebietes. Eine Großstörung der Stromversorgung würde bei einem solchen Design nicht zu einem flächendeckenden Stromausfall führen. Das gesamte Versorgungsnetz zerfällt dann vielmehr in viele vorher definierte Teilnetze. Diese Teil- oder Inselnetze sind, je nach den lokalen Möglichkeiten, eine begrenzte Zeit autark. Dabei kann und muss man in Kauf nehmen, dass nicht alle Teilnetze funktional bleiben. Das Ergebnis wird ein Flickenteppich von teilweise mit Strom versorgten Inselnetzen sein. Aus diesen aktiven Inseln lassen sich andere, stromlose Inseln wieder reaktivieren bis schließlich das Gesamtnetz wieder aufgebaut ist. An einer solchen Strategie wird nicht gearbeitet, sie wird unseres Wissens nach nicht einmal in Erwägung gezogen.

Die bisherige Politik hat in dieser Frage auf ganzer Linie versagt. Wir sind gespannt, wie sich die gerade mit der Selbstfindung beschäftigte neue Regierung dazu positioniert.

Wir tun gut daran, selbst so gut wir können vorzusorgen. Welche Möglichkeiten hierfür bieten sich uns als potenziell betroffene Bürger?

Oberste Priorität für jedermann hat die persönliche Stromversorgung. Nachdem wir uns erfolgreich aller Handarbeit entledigt haben, funktioniert fast alles nur noch elektrisch. Mit einer elektrischen Leistung von 250 Watt, die zusätzlich durch einen einfachen Bleiakku gepuffert wird, kommen wir schon erstaunlich weit.

Stecker-Solargeräte sind hierfür ausreichend und mit ca. 400 € einigermaßen erschwinglich.

Die Montage kann von jedermann, der keine zwei linken Hände hat, durchgeführt werden. Leider erfordert eine solche Anlage ein funktionierendes Netz. Bei einen Stromausfall liefert diese Anlage also auch keinen Strom.

Insel-Solaranlagen kosten ab ca. 900 €. Eine Insel-Solaranlage funktioniert, wie der Name bereits erahnen lässt, auch dann, wenn die öffentliche Stromversorgung ausgefallen ist; mit Pufferbatterien auch im Dunklen. Erforderlich ist in jedem Fall eine Möglichkeit, ein Solarmodul möglichst in Südrichtung sicher zu befestigen.

Wir haben bereits auf die Sinnhaftigkeit einer Pufferbatterie hingewiesen. Einen Bleiakku mit 12 V/100 Ah kann man überall für wenig Geld kaufen. Man könnte dieser Batterie eine Stunde lang 100 A entnehmen. Das entspricht rein rechnerisch einer Leistung von

P=U*I = 12 V*100 A = 1200 W = 1,2 kW

und damit einer Speicherkapazität von immerhin 1,2 kWh. Da wir nicht mehr als 50% dieser Speicherkapazität entnehmen können, verdoppeln wir die Speicherkapazität durch zwei baugleiche Bleiakkus der genannten Kapazität.

Dieser etwas technische Teil zeigt uns den grundsätzlichen Nutzen von Batteriespeichern im Zusammenspiel mit Stecker-Solargeräten oder Insel-Solaranlagen. Notwendig ist neben der Batterie ein Wechselrichter mit dem wir die Batteriespannung von 12 V Gleichspannung in unsere 230 V Wechselspannung umwandeln, der bei einigen Mini-Solaranlagen bereits zum Lieferumfang gehört.

Was funktioniert? Beleuchtung, Kommunikation, Fernsehen, Radio, IT-Technik, je nach Leistung der Anlage (> 500 Watt notwendig) auch Kühltechnik.

Was funktioniert nicht? Großverbraucher- Kochen, Backen.

Ausblick auf eigene Inselnetze

Wenn die Politik Dezentralität nicht befördern will, müssen wir als Bürger die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen.

Wenn wir Mieter eines Wohnblocks oder eines Quartiers sind, bieten sich hierfür wesentlich wirksamere Möglichkeiten als das Hantieren mit Stecker-Solargeräten oder Inselanlagen. Die vorhandene Dachfläche ist meist für eine größere Solaranlage geeignet mit allen Vorteilen, die solche Anlagen bieten. Die Mieter eines solchen Quartiers sollten den Vermieter ansprechen und sich bei Bedarf zu einer Energiegenossenschaft zusammenschließen.

Mehr dazu in einem Folgetext.

Schutz unserer kritischen Infrastrukturen – die Einschläge kommen näher

Bereits in der ersten Fassung unseres Orangebuchs haben wir uns ausführlich mit Fragen der Sicherheit unseres Energieversorgungssystems beschäftigt. Die jüngsten Entwicklungen bestätigen unsere Einschätzung aus dem Jahr 2016 in erschreckender Weise.

Die Betroffenen in den Flutgebieten von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben am eigenen Leib verspürt, was es bedeutet, mehrere Tage ohne Strom auskommen zu müssen. Dabei sollte man nicht vergessen: es waren weit mehr Menschen betroffen als nur die, deren Häuser von den Naturgewalten weggespült wurden. Es geht uns hier nicht um die Frage, ob die neuerliche Flutkatastrophe, die erstmals auch mit einem erheblichen Verlust an Menschenleben verbunden war, durch geeignete Maßnahmen hätte verhindert werden können. Diese Diskussion wird gerade ausgiebig von wahren und selbsternannten Experten geführt. Wir nehmen das Geschehen vielmehr zum Anlass, die wenig offensichtliche, dafür aber zunehmende Gefahr eines großflächigen, länger anhaltenden Stromausfalls näher zu beleuchten.

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